Africa calling!

Sarah in Ghana

 
12Oktober
2014

Tschüsschen mit Küsschen

Meine Lieben, 

meine Geschichten über meine Erfahrungen in Ghana sind zu Ende (obwohl man natürlich immer über irgendwas schreiben könnte...) und deswegen wird dies der letzte Post in meinem Blog sein. 

An dieser Stelle ein <3-liches Dankeschön an alle die mich in meinen Vorhaben unterstützt und alle die meinen Blog so eifrig verfolgt und kommentiert haben.

Danke auch an Leonie für deinen süßen Abschiedsbrief und das tolle Armband, ich werde es in Ehren tragen! Und natürlich an Leonie und Sophie, dass sie mich zum Flughafen gebracht haben!

 

Meine Reise nach Ghana hat meinen Horizont in verschiedener Hinsicht erweitert. Ich habe gelernt, dass nicht alles im Leben bis zum Ende hin durchgeplant sein muss. Viele Dinge sehe ich nun mit einem anderen Blickwinkel bzw. bin ich gelassener geworden. Ich bin glücklich darüber, mein Leben so führen zu können,wie ich es mag und wie es in Ghana vielleicht gar nicht erst möglich wäre, und trotzdem könnte ich mir vorstellen eine Weile dort zu leben. Ich bin froh darüber eine weitere Kultur kennen und lieben gelernt zu haben und möchte auf jeden Fall einmal wieder nach Afrika reisen.

28Sept
2014

Sonntag = Kirche

So, nun das Wort zum Sonntag:

Um 7 bin ich mit dem Taxi zu Hause los, langer Rock, dreiviertel Longsleeve und meiner neuen afrikanischen Clutch vom Schneider.

OH, ich hab den John noch gar nie erwähnt. John ist nämlich der Schneider und der Mann der mir alle meine Kleiderwünsche erfüllt hat. Bei ihm hab ich mir 2 Kleider, 4 lange Hosen und 2 kurze Hosen sowie einen Rock und ein paar Täschchen machen lassen. Denke ich hatte sowas wie ne Sonderstellung, weil ich jeden Tag an seinem Office (Garage mit 2 Nähmaschinen) zu meinem Office gelaufen bin und ihn lieb gegrüßt hab. Meine Sachen waren nämlich bereits am selben oder einen Tag später fertig. Aacchh, das werd ich vermissen!

Hier Bilder der noch nicht verarbeiteten Stoffe:

Weiter im Text zum Sonntag: Hab mich also so zu einer Kreuzung bringen lassen, wo ich auf Ophelia, meine Arbeitskollegin wartete. Hatte ich erwähnt, dass Ghanaer nicht pünktlich sind? Dort habe ich dann 40 Mintuen auf sie gewartet und als Weiße allein bin ich wohl eine Attraktion. Ungelogen, alle 2 Minuten wurde ich von einem Taxi angehupt und jedes dritte hat kurz angehalten, um zu fragen ob ich nicht einen "ride" möchte. Und dann ständig dieses SSSSSsssss.... Eines war recht penetrant aber ich hab niemanden um mich herum gesehen der dieses Geräusch gemacht hat, bis ich mich dann umgedreht hab und ein nunja, leicht bekleideter Mann, von seinem Balkon mir zugewunken hat und mich ange -ssss-t hat. Genervt hab ich mich wieder meinem Handy gewidmet und weitergewartet. Da hat sich der Typ in der Zwischenzeit sein weißes Sonntagskleid angelegt und ist runtergekommen und hat mich ernsthaft gefragt ob ich seine Frau werden möchte. (Bevor er mich begrüßt hat mit Hi, Hi, Hey, Heeyyy, hello, hello , heeelllooooo, how are you baby, how are uuuuu?) Ich hab ihm sämtliche Gründe für mein Nein erklärt, aber das hat ihn weniger gejuckt. Und nach weiteren 10 Minuten kam Ophelia. 

Angekommen in der Kirche kam gleich die "Kirchenoberfrau" zu mir und begrüßte mich mit den Worten: "Enjoy our service". Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht das ich die nächsten 3 einhalb Stunden in diesem Gebäude verbringen würde...

Es ging so los, das jeder kommt wann er will und dann wird gebetet. Laut. Ohne Rücksicht. Intensiv. Als ich dann 20 mal das Vater Unser durch hatte, hab ich die Augen wieder aufgemacht und die Leute so beobachtet. Die Frauen hatten die schönsten Sonntagskleider und die Männer Sackos an. Jeder schreit in seinem eigenen Tempo und jeder ein anderes Gebet. Als der Kirchenvorstand bzw sowas wie ein Priester gemerkt hat, dass der Raum langsam voll war, gings los mit dem Singen. Das war sehr schön, und mit einem Projektor auf den die englischen Lyrics der Kirchenlieder projeziert war konnte ich auch mitlesen und singen. Ophelia nur die ganze Zeit: "Sarah move, Sarah clap your hands, Sarah shake it" - Also so ruhig wie in DE läuft das hier einfach nicht ab. Leider ging nach einer Stunde das Beten wieder los. 3 Reihen hinter mir hat sich dann eine Frau dramatisch auf den Boden geworfen und ihre Verse gen Himmel geschleudert, bis sie erschöpft auf dem Boden gekauert hat. Und plötzlich kippt der Typ links von mir einfach nach vorn, zwischen den Stühlen auf den Boden und schreit wie in Trance seine Gebete bis er fast wie bewusstlos dort noch 20 Minuten liegen bleibt. Dann wird Gott gedankt, dass die Epedemie Ebola nicht in Accra ist und dafür gebetet, dass weitere Epidemien fern von Ghana bleiben. Die Charismatic Church beschäftigt sich auch viel mit den Menschen selbst und der Tatsache, dass Jesus bald wieder kommt. Der Fokus liegt aber stark auf den Kirchenmitgliedern und ihren Taten. Nach dem Offering, nach 5 ml Traubensaft trinken, hl. Brot essen und Händeschütteln (gleich wie in DE) fragt die Oberkirchentante dann in die Runde: "Wer von euch ist denn diese Woche zum ersten mal in der Kirche? (Anmerkung: Opelia war schon Montag und Mittwoch) Der hebe bitte seine Hand damit wir für Sie/ Ihn beten können". Ophelia meinte ich soll die Hand heben und winken, aber das war mir zu peinlich. Ich werd hier schließlich schon genug angestarrt. Dann schaut die Priesterin mich an und fordert nochmals auf. Blieb mir also nichts anderes übrig als Einzigste die Hand zu heben und dann wurde für mich gebetet, geklatscht und ich wurde als neues Mitglied gefeiert. 

So und nachdem ich dann genug Hände geschüttelt hatte, bin ich nach Hause gefahren und mit meinen Hausmitbewohnern an den Krokrobite Beach gefahren, wo ich auf diesen erlebnisreichen Vormittag ein Ründlein schlafen musste. ;)

 

27Sept
2014

Auf der Spur von Antilopen und Affen

Better late than never... Hier noch der Bericht von meinem letzten Wochenendtrip.

Samstag, 4:30 gings los mit 10 anderen Freiwilligen aus meinem Haus zu den Shai Hills und Dodowa Waterfalls. Zuerst sind wir mit einem Trotro zur Tema station, wo nicht wirklich wer Ahnung hatte wo denn irgendwer Richtung Dodowa fährt. Zum Glück haben wir einen netten Fahrer gefunden und der ist dann auch gleich mit uns losgefahren, obwohl das Trotro noch nicht ganz voll war (sonst wird gewartet, bis wirklich rammelvoll ist). Wir haben ihn spontan gefragt ob er nicht Lust hätte uns den ganzen Tag rumzufahren und er hat tatsächlich JA gesagt, so sind wir mit Lot (so hieß unser Fahrer) und seinem Mate (der das Cash einsammelt) für 25 Cedi Richtung Shai Hills gescheppert. Ich hab wie immer im Trotro auf Leonie geschlafen, bis ich mit: SARAH!! AFFEN!! geweckt wurde. Eigentich sind wir nämlich dort hingefahren, weil ich Afrika nicht verlassen wollte, ohne Tiere (größer als Geckos) gesehen zu haben. Das war Highlight Nummer 1. Die Affen sind sofort auf das Dach unseres Gefährts gehupft und waren recht zutraulich. Ich fands einfach toll die Tiere mal nicht hinter Gittern in einer Zooanstalt zu betrachten, sondern so wie sie wirklich wild leben. 
 
Highlight Nummer 2 war der Walk mit einem Guide durch einen Nationalpark zum Mogo Hügel. Das war Afrika der anderen Art. Dort sind wir 2h durch die Savanne gelaufen und waren auf den Spuren der Antilopen unterwegs.
 
Immer weiter gings bis wir vor einem Hügel standen und da sind wir dann hochgeklettert. Der Ausblick von dort oben war einfach atemberaubend. Man hat gigantisch weit in die Ferne blicken können und alles war in ein intensives grasgrün getaucht. Ich denke wir haben uns alle ein bisschen wie Simba bei König der Löwen gefühlt.:D
 
Auf dem Rückweg sind wir hier und dort etwas eingesunken, weil es doch etwas sumpfig war. Der Dreck ging über meine Knie und aus diesem Grund hab ich die Schuhe dann auch in Ghana gelassen. Heile angekommen an unserem privat Trotro gings dann zu den Waterfalls. Irgendwie haben aber meine Beine komisch angefangen zu jucken. Anscheinend war ich gegen die Gräser allergisch weswegen alles offen war und schon langsam angefangen hat zu eitern... (Ich liebe den Menschen der Bepanthen erfunden hat!)
Der Wasserfall war wirklich ziemlich groß, aber das Wasser war sehr dreckig und weil wir noch so großen Hunger hatten sind wir noch was Essen gegangen und wollten uns auf den Heimweg machen. Aber Lot meinte er hat uns noch ein tolles Plätzchen, das er uns zeigen will. So sind wir dann zu einem kleineren Wasserfall gefahren und runtergeklettert, vorbei an Bananen, Chillis, Termitenhügeln und Kakao.
 
Haben uns dort ebenfalls eine kleine Erfrischung am Wasserfall gegönnt. Anschließend sind wir dann zu Lot´s Familie gefahren und er hat uns allen vorgestellt. Die Leute hier sind einfach so lieb und offen und lassen einfach mal 11 Unbekannte durch ihr Haus marschieren. Das passiert einem auch nur in Ghana :)
Ich bin dann bald ins Bett wegen meinen schmerzenden Beinen und meiner Sonntagsplanung.Das war dann mein heftigstes Erlebnis in Ghana, aber dazu schreib ich natürlich auch noch etwas!
 
25Sept
2014

Sharing is Caring

Teilen - Ganz nach diesem Motto läuft es hier beim Essen ab. Gestern Abend haben wir zum Beispiel bei Anita (der Sekretärin von Leonie’s Projekt) Yam mit Egg stew gekocht. Yam ist eine Wurzel die man schälen und dann in Wasser kochen muss, es schmeckt fast ein bisschen wie Kartoffel und hat nur eine etwas härtere Konsistenz. Ausserdem haben wir 2x Sosse gemacht, einmal etwas scharf und einmal richtig scharf. Danach hat sie uns alles in Tupperboxen abgepackt und die mit mindestens 20 Plastiktueten umwickelt (schlimmer als Amerika!!), sodass wir alles mit nach Hause nehmen konnten. Ein Nein wird hier nicht akzeptiert, und so hat sie uns noch zu Fuss nach Hause begleitet und die Boxen auf dem Kopf getragen.

Mein absolutes Lieblingsessen, was hier eher als Snack gilt, nennt sich Kelewele (sprich: Kiiliiiwili) und besteht aus frittierten, heissen, scharf gewuerzten Plantains (Kochbananen). Ich koennte es echt 3x taeglich essen! Jollof rice mit fried cowmeat fand ich auch ganz gut, oder Plantains mit Palava sauce oder Kassava mit Groundnut soup… Dazu gibt es, wie koennte es auch anders sein – Reis! Am schärfsten bis jetzt habe ich Waakye empfunden, und das sollte man auch nicht von der Strasse essen, da hier oft die Cholera Bakterien zu finden sind. Meine arme Arbeitskollegin hat es leider erwischt und deswegen war sie eine Woche lang im Krankenhaus. Sie ist sich nicht sicher. ob das Essen nicht heiss genug war oder ob die Marktfrau sich die Haende nicht gewaschen hatte. Ins Krankenhaus sollte man uebrigens laut einer Email unserer Organisation nicht mehr gehen, wegen der vielen Infektionskrankheiten. Wenn ich also noch was haben sollte, dann kommt der Arzt zu mir nach Hause. Ich bin da aber guter Dinge.

Ansonsten steh ich total auf “Red Red”, das sind Black Eye Peas Bohnen in einer scharfen Tomatensosse mit Gemuese und meinen heiss geliebten fried Plantains. Was ich ueberhaupt nicht mag, nennt sich “Fufu”, das ist ein grosser matschiger Teigklops, der fast nur mit den Händen gegessen werden kann. Man macht also ein Stueck vom Klops weg, sodass die Hand wie eine Schaufel nur noch in die Sosse getunkt werden muss, um sich das ganze dann in den Mund zu schieben und gleich runterzuschlucken. Kauen sollte man das Zeug nicht, da sonst der Geschmack gestoert wird… AHA… Alles wird hier uebrigens mit der rechten Hand gegessen, die linke Hand ist nämlich die “Kack-Hand”.

  das sind die schoenen Bilder die in der Mittagspause beim Arbeiten entstanden sind :)

Gefruehstueckt wird eher weniger, wenn dann gibt es mal Custard (=Vanillesosse mit nix) und dann wird gegen 10 AM die erste heisse, deftige Mahlzeit gegessen. Ich esse in der Frueh Cornflakes oder Toast mit Banane und schiebe dann einen richtigen Kohldampf bis zum Mittagessen um 3 PM. Hier isst man, wenn man wirklich Hunger hat. Und sowas wie ein Stueck Milka Yoghurt Schokolade zwischendurch gibt es nicht. Ach uebrigens, ich weiss nicht mehr mit wem ich das gewettet habe, aber ich habe gewonnen: Mc Donalds in Ghana? Gibt es nicht!

Ich habe hier wirklich so ziemlich alle lokalen Spezialitäten probiert und musste mich noch kein einziges Mal uebergeben oder hatte Durchfall. Kann also stolz auf meine Verdauung sein. Am Anfang war es auch wirklich komisch, aber hier redet man ganz offen ueber solche Themen. In Deutschland gewoehne ich mir das aber wieder ab, versprochen ;)

Und tausend Dank fuer die motivierenden und positive Rueckmeldungen die ich erhalte! Ich freu mich ueber jede einzelne! <3 

20Sept
2014

O’zapft is in Afrika

Als echte Bayerin fehlt natuerlich zur Wies’n Zeit meine Lederhosn nicht. Hier ein Prosit nach Muenchen – Oans, Zwoa, Drei, Gsuffa! Das Bier hier ist nicht schlecht, aber an unseres kommt’s halt nicht hin :)

Am Wochenende war ich freitags mit Mitbewohnern beim Feiern, das Nachtleben hier hat definitv was zu bieten! Am Samstag morgen ging es nach einer kurzen Nacht mit dem Trotro (das wir erst nach ner Stunde durchfragen gefunden haben) 3 Stunden in den Osten des Landes. Da hats uns mal wieder richtig durchgeschuettelt, sodass an Schlaf nicht zu denken war… Aber fuer umgerechnet 2 Euro kann man das schonmal machen. Dort angekommen sind wir in ein Boot gestiegen , dass uns ueber den breiten Volta Fluss zu einer kleinen Halbinsel names Ada Foah gebracht hat. Das besondere dabei ist, dass auf der einen Seite Suesswasser vom Volta ist, und sich auf der anderen Seite Salzwasser befindet. Hier haben wir dann ins Maranatha Beach Camp eingecheckt. Umgerechnet 3 Euro die Nacht. Sind dann gleich in unsere Huette, die aus geflochtenen Palmblaettern gebaut ist und mit Stroh als Dach bedeckt ist. Toiletten gab es zwar, aber ohne Klopapier und ohne Spuelung. Haben dann immer Wasser aus dem Fluss geholt und nach Duschen wars uns an dem Abend nicht, weil so ein starker Wind gegangen ist. Und wer mich gut kennt, zieht jetzt sicher die Augenbraue kraus :D

Apropos Augenbraue, meine ist jetzt naemlich mit der Rasierklinge von unserer Nachbarin getrimmt worden. Fuehlt sich so an, als ob ich fast keine Haare mehr dran haette, aber es sieht gut aus.

Nach dem Abendessen wurde dann ein Bonfire angezuendet, an dem wir gemuetlich gesessen sind und den Abend haben ausklingen lassen. Es war zwar etwas komisch mit den so sandigen Fuessen ins Bett zu gehen, aber man kann sich hier an alles gewoehnen.

Geweckt wurde ich dann vom Meeresrauschen und wir waren etwas enttaeuscht, dass es bewoelkt war. Nach dem Fruehstueck sind wir noch in den Fluss baden gegangen, weils ja trotzdem voll warm war. Gegen 1 haben wir dann den Strand verlassen und auf ein mal hatte ich einen wahnsinnigen Sonnenbrand im Décolleté und an den Raendern der Bikinihose. Obwohl die Sonne nicht eine Minute draussen war und es sogar mal kurz genieselt hat! Die andere Sarah, unsere Schweizerin, sieht jetzt leider aus wie Mr. Crabs aus Spongebob. Knallrot.

Haben dann noch fuer 20 Cent Mittag gegessen und sind anschliessend in ein super Trotro gestiegen. Dort liefen die Charts aus Nigeria (ich liebe die Musik!!!) in einem Fernseher, es waren Sitze die noch fest im Auto verankert waren, intakte Stossdaempfer und Tueren die tatsaechlich zugegangen sind. En plus hatten wir einen Fahrer der die Strasse gut kannte und fast alle Schlagloecher umfahren hat. Mann, hab ich mich gefreut! Zuhause angekommen hab ich nochmal Waesche gewaschen und war zum Abschied derer die Montag gefahren sind noch beim Essen und ein paar lokalen Bars.

Gestern war Foundation Day, was ein Feiertag ist und deswegen wurde ausgiebig im Haus gechillt und unsere Homies verabschiedet. Lasse wurde einfach nicht abgeholt und hat sich deswegen ein Taxi nehmen muessen um den Flieger noch puenktlich zu erwischen… Hoffe mal bei mir klappt alles!

An alle die aufs Oktoberfest gehn: Viel Spass euch und trinkts a Mass fuer mich mit!

19Sept
2014

Sodom & Gomorra

Guten Morgen Welt!

Gestern hab ich was erlebt, was wohl in anderen afrikanischen Laendern noch Standard sein koennte. Zusammen mit der Sektretaerin Joanita der Universal Wonderful Street Academy (Leo's projekt) haben wir ein Slum besucht. (Die Einheimischen nennen es nur Sodom und Gomorra...) Einer aus dem Haus hat das schonmal gemacht und nur gemeint wir sollten feste Schuhe anziehen, die wir danach evtl nicht mehr brauchen wuerden. So hab ich dann im Hinterhof eigentlich ganz gute Bergschuhe (sogar meine Groesse) gefunden, aus denen ich dann aber erst mal Spinnen und anderes Ungeziefer entfernen musste. (Ich glaub ich werd hier ein wenig abgehaertet was das angeht.)

Anita, so wird sie hier genannt, hat gemeint wir (5 Weisse) sollten wenig mitnehmen, deswegen hatte ich nur mein heisses "Bauchdaeschle" gefuellt mit Candy dabei :DAusserdem waren noch unsere 3 Aufpasser (die Schulkinder, zwischen 14 und 16) dabei, die dann Leonies Kamera getragen haben und ein paar Fotos gemacht haben. Haben Anita jeweils etwas bezahlt, dafuer, dass sie uns eineinhalb Stunden durch das Slum fuehrt. Allerdings ist das Geld nicht fuer ihren Dienst, sondern wird der Schule gespendet.

Als wir langsam in der Gegend der Slums waren, hat man schon gemerkt, dass die Strasse sehr abschuessig und weicher wurde. Und ploetzlich waren wir schon mittendrin. Die Leute reparieren Roehrenfernseher, spielen Kicker, kochen und bewachen die einzige Holz Bruecke die ueber einen grausam verdreckten Fluss geht. Ich hab mal gesagt ich finde die Themse dreckig, aber das war gar nichts gegen das, was ich dort gestern gesehen habe. Ab und zu blubbert der Fluss und es ist nur noch eine schwarze, stehende Muellbruehe, die ihren eigenen Geruch hat. Um die Holzbruecke zu ueberqueren, haben wir dann ein paar pesues bezahlt (4 cent oder so) und sind durch den Dreck zwischen den eng gebauten Blech- oder teilweise sogar Lehmhuetten gelaufen. Hier und da sind wir ueber Matschloecher gesprungen und haben versucht Anita so schnell es geht nachzukommen (Sie ist uebrigens mit Flipflops da durch). Wir sind dann in sowas wie einem kleinen Community House gelandet und sofort hatte sich eine Schar Kinder um uns versammelt. Wenn die Kinder Klamotten tragen, sind sie meist dreckig und zerissen, manche tragen aber auch gar nichts. Wir haben hier unsere Mitbringsel verteilt und es gibt wirklich nichts schoeneres als in diese grossen, erwartungsvollen knopfaugen zu schauen. Leider haben sie die Bonbons samt Papier in den Mund gesteckt...

 

Die Leute, die dort im Slum wohnen sind allesamt freundlich, ruhig und ueberhaupt nicht aufdringlich. Ueberall hoert man nur ein herzlich Willkommen oder ein: sssssssssssss (um Aufmerksamkeit zu erlangen) OBRUNI (=Weisse). Umso mehr freuen sie sich dann wenn man in der Landessprache mit OBIBINI (=Schwarze) antwortet.

Im hinteren Teil des Slums hat mich dann aber wirklich der Schlag getroffen. Wir haben eine riesige Muellkippe erklommen, auf der rabenschwarze Schafe und Kuehe im Dreck nach Fressen suchen und sind staendig ueber deren Kot getreten und hier und dort etwas tiefer gesunken. Am Fusse des Berges wird der Muell dann verbrannt und der beissende Feuerrauch reizt die Augen und die Nase. An vielen Ecken findet man Unmengen Gras, dass im Beisein der Kinder geschnitten wird. Auf einmal meinte Anita nur wir sollen uns beeilen, weil es bald dunkel wird (das geht hier sehr schnell, gegen 6 ist es stockfinster) und dass wir sonst nicht mehr rauskommen wuerden. Die Kriminalitaet und Prostitution beginnt naemlich dann im Slum.

Ich bin traurig ueber die Zustaende dort und bin zugleich dankbar fuer alles was ich im Leben habe. Ich bin definitiv froh, sowas mal gesehen zu haben, einfach weil es nachdenklich macht und man anfaengt sich mit der Lebensrealitaet dieser Menschen auseinanderzusetzen.

"Some call it Slum - we call it Home"

 

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